Honda AfricaTwin Gabelservice

Mittlerweile ist die AfricaTwin 22 Jahre alt und in dieser Zeit ist an der Gabel nur einmal das Gabelöl gewechselt worden. Also wurde es Zeit auch diesem, nicht gerade unwichtigen, Bauteil ein wenig Pflege zu teil werden zu lassen ;)

Geplant waren :

- Wechsel des Gabelöls

- Austausch der originalen Federn gegen progressive, härtere Exemplare

- Austausch der oberen und unteren Gleitbuchsen

- Austausch der Simmerringe und Staubkappen

- gründliche Reinigung des gesamten “Innenlebens” der Gabel

- Austausch der spröden/defekten Gabelschützer

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Los geht’s mit dem Ausbau der Gabelbeine. Zuerst müssen natürlich das Rad aus- und die Bremssättel abgebaut werden. Zu guter Letzt müssen noch der Kotflügel und der Gabelstabilisator raus.Tipp : Nach dem Lockern der oberen Gabelklemmung schon mal die oberen Verschlusskappen lösen - ca. 1/2 Umdrehung. Hat man die Gabelbeine ausgebaut kann man die Gabelschützer entfernen und die Gabelbeine äußerlich reinigen.

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Als nächstes sollte man die Innensechskantschraube unten anlösen (Etwa 1/2 Umdrehung) - hat man nämlich die Verschlusskappe erst gelöst und die Feder(n) entnommen, dreht sich die Dämpferkartusche mit und man kann die Schraube nicht ausdrehen! Nun kann die, vorher schon gelöste, Verschlusskappe ganz ausgedreht werden. Dazu das Gabelbein aufrecht stellen! - Achtung, steht unter Spannung (Feder), daher gegen halten. Anschließend kann man die Feder(n) entnehmen (kleine Feder; U-Scheibe; große Feder).

Nun geht es darum das Öl aus der Gabel zu bekommen. Hat man eine AT bis einschl. Baujahr 1995 gibt es unten eine Ablassschraube. Bei späteren Modellen, oder wenn man keine Zeit hat ;), kann man das Öl auch einfach oben ausgießen. In beiden Fällen sollte man aber mehrfach “pumpen” um möglichst viel Öl aus der Gabel zu bekommen.

Gabelöl kann übrigens echt übel riechen und sollte auf jeden Fall fachgerecht entsorgt werden - z.B. bei dem Händler bei dem ihr das neue kauft.

 

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Ist das Öl raus kann man nun die Innensechskantschraube ganz lösen, den Dämpferkolben entnehmen und die Staubschutzkappe nach oben entfernen. Darunter kommt nun der Sicherungsring zum Vorschein. Dieser hält den Simmerring in Position und muss heraus gehebelt werden. Anschließend zieht man die beiden Rohre mit Wucht auseinander (zwei-drei Mal wird schon nötig sein), bis sowohl der Simmerring wie auch die obere Gleitbuchse aus dem Gleitrohr kommen und sich die beiden Hälften trennen lassen. Als letztes kann nun der Verschlussstopfen aus dem Gleitrohr entnommen werden.

Gabel XRV 750 Africa Twin
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Hat man alles auseinander, sollte es so aussehen :

 

1. Verschlusskappe

2. Gabelfeder (Original bestehend aus : Kleiner Feder, Abstandsstück u. Großer Feder)

3. Staubschutzkappe

4. Sicherungsring

5. Simmerring

6. Stützring

7. Obere Gleitbuchse

8. Untere Gleitbuchse

9. Dämpferkolben mit Kolbenring (weiss)

10. Rückprallfeder

11. Verschlussstopfen

12. Standrohr

13. Gleitrohr

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Vergleich der originalen Gabelfeder(n) mit der progressiven, härteren Wirth-Feder. Die Wirth-Feder ist ca. 10mm kürzer, aber exakt so lang wie sie laut ABE sein soll. Ich habe bei der Montage den Abstandsring der alten Feder weiterverwendet. So schrumpft der Unterschied auf nur noch 4mm.



Update: Da habe ich wohl wieder nicht zu Ende gelesen....Den Abstandsring soll man definitiv nicht mehr benutzen!  

Inzwischen habe ich ihn wieder ausgebaut...


Zusammenbau

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Dämpferkolben mit Rückprallfeder ins Standrohr schieben bis der Kolben unten heraus schaut.

Anschließend den Verschlussstopfen aufsetzen.

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Nun das ganze Paket zurück schieben bis der Verschlussstopfen in seinem Sitz im Standrohr sitzt.

Dann die (neue) Gleitbuchse mit reichlich neuem Gabelöl am Standrohr anbringen.

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Jetzt kann das Standrohr wieder ins Tauchrohr eingesetzt werden. Als nächstes wird die Innen-sechskantschraube mit Sicherungsmittel und einem neuen Dichtring eingedreht und mit 20Nm festgezogen. Vermutlich wird sich der Dämpferkolben mitdrehen - also provisorisch die Gabelfeder und die Verschlusskappe montieren, dann klappt’s ;)

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Für die nächsten Schritte stellt man das Gabelbein am Besten aufrecht und sichert es gegen umfallen. Nun geht es weiter mit der Montage der oberen Gleitbuchse. Um sie schonend in ihren Sitz im Tauchrohr einzutreiben gibt es Spezialwerkzeug. Das hatte ich aber nicht...

Also musste ich mir eine Alternative einfallen lassen. Um die Gleitbuchse zusammen zu drücken habe ich außen herum die “Köpfe” von Kabelbindern platziert - funktioniert gut.

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Anschließend habe ich aus einem alten, sehr langen Kreuzschraubendreher, dessen Spitze schon länger defekt war, ein Eintreibwerkzeug gebastelt. Die Spitze habe ich einfach komplett abgeschliffen und mit einem Schrumpfschlauch überzogen. Damit konnte ich die Gleitbuchse ohne Kratzer o.ä. in ihren Sitz eintreiben. Nun noch den Stützring montieren, und schon kann der Simmerring rein -der natürlich vorher in Gabelöl gebadet hat ;)

Der Simmerring lässt sich recht einfach montieren. Man kann ihn mit den Fingern schon recht weit rein drücken. Den Rest habe ich dann mit meinem “neuen Werkzeug” gemacht. Der Simmerring sitzt tief genug, wenn die Rille für den Sicherungsring sichtbar wird und dieser sich einlegen lässt. Jetzt noch die neue Staubkappe drauf, und schon ist man an dieser Stelle fertig.

Weiter geht es mit dem Gabelöl. Laut Werkstatthandbuch sollen 648ml hinein. Am Ende soll die Füllhöhe, bei komplett zusammen geschobener Gabel, einen Ölstand von 106mm erreichen. D.h. der Abstand zwischen der Oberkante des Standrohres und dem Ölstand sollten 106mm sein. Das Wichtigste ist allerdings, dass die Füllhöhe in beiden Gabelbeinen exakt gleich ist. In meinem Fall waren etwa 670ml nötig um den geforderten Ölstand zu erreichen. Im Anschluss kommt noch die Feder hinein und die Verschlusskappe wird mit neuem O-Ring  montiert.

Aber noch nicht fest zu drehen - das kommt später ;)


Update :

Mit dem Ölstand von 106mm war die Dämpfung der Gabel viel zu hart. Auf Nachfrage empfahl Wirth den Ölstand auf !160mm! zu ändern (absaugen - Ölmenge bei meiner AT jetzt noch ca. 580ml). Damit spricht die Gabel wieder sehr feinfühlig auf kleine Fahrbahnunebenheiten an!

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(Bild 1 & 2)  Als krönender Abschluss kommen jetzt noch die neuen Gabelschützer (oft auch “Faltenbälge” genannt) drauf.

An das intensive Blau muss ich mich wohl noch gewöhnen ;)

(Bild 3 & 4)  Nun können die Gabelbeine wieder eingebaut werden. Zuerst die untere Gabelklemmung festziehen (34Nm). Nun kann man oben die Verschlusskappe der Gabelbeine mit den geforderten 22Nm festziehen und als letztes die obere Klemmung anziehen (26Nm). Fertig!